Samstag, 1. September 2012

Ich habe es tatsächlich getan

So - hier wird es allerhöchste Zeit für ein Update.

Ich habe es tatsächlich getan - ich habe mich von meinem geliebten Bluesmobil getrennt - und zwar mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Nachdem der Meister nach dem letzten Werkstattbesuch meinte, dass es wohl keinen Sinn mehr hätte, wiederum eine erkleckliche Summe zu investieren und mich die Macken in der Elektronik dann doch mehr und mehr zu nerven begannen (er sagte wörtlich "man kann sich eben nicht mit 20 ein Auto kaufen und meinen, dass das bis zum Lebensende hält" ;-)) habe ich angefangen, mir Gedanken zu machen. Und das war eine wahrlich schwere Geburt. Ich glaube, so lange habe ich noch nie für eine Entscheidung gebraucht, egal worum es ging. Ich wußte eigentlich so gar nicht, was ich denn als nächstes mal fahren wollte - zunächst war wieder ein 7er, oder aber eventuell ein 8er auf dem Radar - allerdings ist das ja so eine Sache: 840 - kaum zu bekommen... 850 - eigentlich vom Unterhalt viel zu teuer... außerdem wären die dann nicht wesentlich jünger gewesen, und nachdem ich ja erfahren habe, was dann so nach und nach alles kaputt gehen kann und zu ersetzen ist, habe ich den Gedanken wieder verworfen.

Zwischendurch hatte ich mal an einen schnöden Golf TDI gedacht, aber da Diesel dann doch nicht der Weisheit letzter Schluß ist - nicht zuletzt wegen der Umweltbelastung - bin ich auch davon wieder abgekommen. Und meine zuverlässigsten und unproblematischsten Autos waren bisher die beiden Japaner gewesen (mein "Renntoyota" würde wahrscheinlich immer noch fahren, wenn die S. nicht damals...). Also habe ich mich dann in dem Lager mal ein wenig umgetan.

Zunächst habe ich nach einer Celica Ausschau gehalten - in Oberursel stand sogar eine zum Verkauf, in blau und mit Leder. Da es aber bei dem kleineren Motor ein bekanntes Problem mit Überhitzung des Shortblocks und somit Motorschaden gab kam eigentlich nur die TS-Variante in Frage, und da wurde es schon wieder eng - kaum Angebote, zu weit weg... Zwischendurch wäre es dann auch beinahe mal ein AMG C36 geworden, der für relativ kleines Geld ebenfalls in Oberursel stand - aber ausgerechnet diese Baureihe hatte erhebliche Rostprobleme, und von Steuer und Versicherung her hätte sich das mit dem BMW auch nichts genommen.
Ein Corolla TS stand etwas weiter weg zum Verkauf - aber der wäre mir dann letztendlich, trotz enormem "Bumms", zu klein gewesen (man muss ja auch ab und zu die 88er-Klaviatur unterbringen können, ohne große Verrenkungen zu machen).

Ich weiss gar nicht mehr, wie ich dann darauf gekommen bin mal nach einem Prius zu schauen - klar, Toyota, und gefallen hat der mir auch schon immer, eben weil auch nicht jeder Depp damit herumfährt. Und damit fing das Drama eigentlich erst an. Man hat sich ja im Lauf der Zeit an einen gewissen Komfort gewöhnt und möchte dann nicht unbedingt beim Umstieg aufs nächste Auto große Abstriche machen (ich weiss, viele fahren auch mit einem an der Scheibe befestigten Navi herum und sind damit glücklich, aber ein fest eingebautes ist eben ein fest eingebautes, ohne den Kabelsalat drumherum und eventuell schlechtem Empfang mangels Außenantenne... und auch an Parksensoren gewöhnt man sich ziemlich...).

Ich habe also einerseits angefangen, mich in das Thema leistungsverzweigter Hybridantrieb und Ausstattungsvarianten speziell vom Prius 2 einzulesen. Je mehr ich mich mit der genialen Antriebstechnik beschäftigt habe, um so klarer wurde mir, dass eigentlich gar nichts anderes mehr in Frage kommt - und je länger ich nach meinem Wunschmodell gesucht habe, desto frustrierter wurde ich, da eben diese Variante (Sol Travel) extrem selten ist (wurde nur ein Jahr lang gebaut, bevor dann der P3 kam). Außerdem überstieg das eigentlich mein Budget. Aber dann - wie der Zufall manchmal so spielt - war "meiner" doch quasi hier um die Ecke zu haben. Ich habe hin- und herüberlegt und gerechnet, Rat von Frau K. eingeholt (die nach kurzer Überlegung meinte "mach das!") und schließlich eine Probefahrt vereinbart - und danach stand dann fest - das ist meiner :-)

Für alle, die nicht wissen wie der Hybrid Synergy Drive funktioniert und was das für Vorteile mit sich bringt muss ich wohl etwas weiter ausholen. Im Prinzip ist es ganz einfach: Wir haben zwei Motoren (eigentlich sogar drei - einen kleineren und einen größeren Elektromotor und einen "normalen" Benzinmotor, der allerdings im Atkinson-Zyklus läuft - in einem herkömmlichen Auto hätte man damit nicht viel Freude, beim HSD kommt das Anfahrdrehmoment aber vom Elektromotor, und zwar aus dem Stand), die über ein Planetengetriebe verbunden sind. Dabei ist der "kleine" Elektromotor (MG1) mit dem Sonnenrad verbunden, der Verbrennungsmotor mit dem Planetenträger und der "große" Elektromotor (MG2) - MG steht für Motorgenerator, da sie nicht nur für den Vortrieb, sondern je nach Fahrsituation beim Bremsen auch als Generator zum Wiederaufladen der Fahrbatterie verwendet werden - ist mit dem Hohlrad sowie mit den Vorderrädern verbunden. Wir haben also insgesamt nur einen Gang - beziehungsweise unendlich viele, da es sich um ein elektronisch geregeltes stufenloses Getriebe handelt. Dadurch können wir uns so einige Teile, die man normalerweise so im Auto hat sparen - zum Beispiel den Anlasser, die Lichtmaschine, die Kupplung, das herkömmliche Getriebe (bzw. den Drehmomentwandler und das Automatikgetriebe), einen eventuellen Turbolader... das kann schon mal alles nicht kaputtgehen. Klingt komisch, gehört aber so ;-)

Hier ein Video, wo das Ganze anhand der Originalteile erklärt wird (Englisch):



Die Kupplungsscheibe rechts dient übrigens nur als Sicherheitsmechanismus, falls doch einmal unzulässige Drehmomente auftreten sollten, um in diesem Fall Schäden am Powertrain zu vermeiden - normalerweise verbindet sie einfach den Benzinmotor starr mit dem Planetenträger.

Nun, wie fährt sich das nun? Wenn man schon mal Automatik gefahren ist, dann ist es keine große Umstellung - abgesehen davon, dass der Schalthebel ein kleiner Joystick ist, der rechts vom Lenkrad im Armaturenbrett sitzt. Dadurch bleibt in der Mitte Platz für eine große Armlehne für Fahrer und Beifahrer mit einem schönen Staufach darunter, denn auch die Handbremse ist eine Fußbremse (dürfte Mercedesfahrern bekannt vorkommen).
Weil es keine Fahrstufen/Gänge gibt kann auch nichts rucken, die Beschleunigung ist absolut unterbrechungsfrei, und weil der Benzinmotor so oft es eben geht abgeschaltet wird ist das Auto unglaublich leise - man merkt erst einmal, wieviel Krach eigentlich die Abrollgeräusche der Reifen ausmachen. Beim Bremsen klingt das Ganze dann ein wenig nach Straßenbahn (auch das sorgt mitunter für verwirrte Blicke von Fußgängern), weil dabei nicht mechanisch gebremst wird - es sei denn man muss sehr stark abbremsen - sondern die Bremsenergie über die Elektromotoren wieder in die Fahrbatterie zurückgespeist wird.

Mein durchschnittlicher Benzinverbrauch liegt übrigens momentan bei 4,8l/100km, was für ein doch relativ großes Auto ziemlich gut ist (aber da geht immer noch was, ich fahre halt doch gerne mal flott - besonders die Beschleunigung aus dem Stand ist fein). Es gibt auch Spezialisten, die sogar eine 3 vor dem Komma haben, aber das ist auch sehr stark von den gefahrenen Strecken abhängig. Bei Tacho 180 ist zwar Feierabend, aber das stört mich nicht weiter - wo kann man schon noch dauerhaft über 200 fahren, und will man das überhaupt noch? Also ich vermisse nichts. Im Gegenteil: Immer wenn ich an der Ampel stehe und um mich herum die Diesel nageln höre denke ich mir "muss das denn sein?", denn von mir hört man - richtig, nichts. Außer der Musik vielleicht :-)

An der Tankstelle ist aber noch nicht Schluß mit dem Sparen: Statt 529€ zahle ich jetzt nur noch 30€ KFZ-Steuer im Jahr, die Versicherung ist ebenfalls 280€ im Jahr günstiger (obwohl jetzt Vollkasko und vorher nur Teilkasko), also rechnet sich der "Piepsi" (er piepst bei allen möglichen Gelegenheiten, insbesondere beim rückwärts Fahren) auf jeden Fall - auch wenn ich erst gejammert habe, weil ich noch nie so viel Geld für ein Auto ausgegeben habe. Aber ich bereue es nicht und kann nur jedem raten, der sich eventuell sowieso ein neues Auto anschaffen will, mal eine Probefahrt mit einem HSD zu machen. Für mich steht jedenfalls fest: Nie wieder Auto 1.0.

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